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Letzten Sonntag sind wir beim Surfen im Web auf
folgende Nachricht gestoßen: Eine
aktuelle Studie der Universität Rochester hat
herausgefunden, dass Menschen am Wochenende glücklicher sind als
unter der Woche. Jetzt sind Sie baff, oder? Kein Witz, das war
die Nachricht. Im ersten Moment ist uns dazu nur eingefallen, dass
wir doch auch mal eine Untersuchung machen könnten, um
herauszufinden, dass Wasser nass ist. Oder dass es nachts dunkler
ist als tagsüber.
Im zweiten Moment fiel uns aber auf, was der eigentlich springende
Punkt der Studie ist: nämlich das WARUM. Die Wissenschaftler hatten
festgestellt, dass Menschen am Wochenende glücklicher sind, weil sie
da selbstbestimmt handeln können und vorwiegend mit Leuten zusammen
sind, die sie gern haben und wertschätzen.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich viele Menschen bei der Arbeit
fremdbestimmt fühlen und umgeben sind von Leuten, die sie gar nicht
um sich herum haben wollten, wenn es nicht sein müsste.
Was uns ins Grübeln gebracht hat: Warum akzeptieren so viele
Menschen, dass jemand anders darüber bestimmt, wie sie ihre Arbeit
zu strukturieren haben – womöglich für sie individuell völlig
ineffektiv? Und dass sie sich mit allerlei schrägen Typen vom
Büro-Bärchen über das Unternehmens-Rudeltier bis zum
Betriebs-Tyrannen rumschlagen müssen – obwohl das grässlich
schlechte Laune macht? Wir fragen uns ernsthaft, wer das will und
wozu das gut sein soll. Und warum das alle für normal halten.
Das hat nichts mit betrieblichen Kuschelgruppen oder einer
Wir-haben-uns-alle-ganz-doll-lieb Unternehmenskultur zu tun. Auch
ein Hasso Plattner, Aufsichtsratschef und Mitbegründer von SAP (und
ein Tekkie bis ins Mark), hat verstanden: „Wir sind ein Unternehmen,
das Gewinn machen muss. Das werden wir aber nur tun, wenn wir auch
ein glückliches Unternehmen sind und auch unsere Kunden glücklich
sind. Ich werde alles dafür tun, dass SAP wieder eine glückliche
Firma wird.“ – GLÜCKLICH!
So ist es: Nur mit Menschen, die gut drauf sind und die ihre Arbeit
und ihre Firma mögen, ist ein Unternehmen fit für die Wirtschaft von
morgen! Führungskräfte müssen deshalb ihren Mitarbeitern Raum geben,
damit diese ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Und eine
Kultur des Miteinanders schaffen, des Zuhörens, des Respekts. Das
kostet null Euro und funktioniert sofort: Damit die Mitarbeiter
vielleicht demnächst am Sonntagabend sagen:
Endlich wieder Montag!
Ein glückliches Wochenende wünschen
Anja Förster & Peter Kreuz
Geschenkt! Unser neues
Zitatebuch:
Die Rote Edition 2010/11
Es ist da: Frisch aus der Druckerpresse!
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Backstage Talk: Andreas Pröve
Andreas Pröve wird auch der "rollende Fotoreporter"
genannt. Als 23jähriger verunglückte er mit seinem Motorrad und ist
seitdem querschnittsgelähmt. Das konnte ihn jedoch nicht davon
abhalten, in die entlegensten Winkel der Erde zu reisen. Zuletzt
bereiste er Indien, von Küste zu Küste. Und zwar in Handarbeit. Wer
schon mal als "Fußgänger" in Indien unterwegs war, weiß, was das
bedeutet. Andreas Pröve ist aber nicht nur ein Abenteurer, für den
es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt. Er ist auch sozial
engagiert und berichtet für Terre des Hommes über Kinderarbeit in
Indien, über unterdrückte Bergvölker oder vom Überlebenskampf der
Slumbewohner Kalkuttas.
Wir haben uns mit ihm in Heidelberg getroffen und
das folgende spannende Gespräch geführt...
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Backstage: Dean L. Kamen und
der Cola Fountain
Dean L. Kamen ist ein genialer Erfinder. Und ein cleverer Unternehmer. Und
ein Mann mit globalem Gewissen. Ein echter Innovator, der Chancen aufspürt, sie
beim Schopf ergreift, sich vorwärts bewegt auch ohne alle Antworten zu kennen,
hin und wieder auch mal stolpert - und schließlich doch ans Ziel gelangt.
Mit Coca Cola hätte dieses Ausnahmetalent nicht zusammenarbeiten müssen, als er
vom Konzern gefragt wurde: Können Sie uns beim Entwickeln einer neuen
Getränkezapfanlage helfen? Er konnte tatsächlich, denn seine Firma DEKA verfügt
über besonderes Know-how beim Messen, Mischen und Transportieren von
Flüssigkeiten. Zwar für medizinische Apparate und Anwendungen wie Chemotherapie,
aber Flüssigkeiten eben, aus Ingenieurssicht das Gleiche. Nur, warum sollte er
das tun?
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Er tat es – und forderte von Coca Cola im Gegenzug Unterstützung für ein
Charity-Projekt, das Kinder weltweit mit Trinkwasser versorgt. Das ist, was uns
begeistert: Eine wunderbare Win-win-win-Situation.
Was Kamen dann entwickelte, heißt "Freestyle" und ist eine Art Eier legende
Wollmilchsau der Zapfanlagen. Gewöhnliche Zapfanlagen bieten bis zu acht
verschiedene Getränke an. Der Freestyle? 100! Das Prinzip dahinter ist das
Gleiche, wie das eines Farbdruckers: Statt mit Sirupkonzentraten arbeitet Kamens
Erfindung mit Patronen. In jeder ist nur eine hochkonzentrierte Zutat, die dann
für jedes Getränk in den gewünschten Mengen neu zusammen gemischt werden. Einmal
ordentlich quergedacht und schon ist die scheinbar völlig ausgereizte
Technologie revolutioniert. Fantastisch!
Dadurch besteht erstmals die Möglichkeit für den Kunden, sich selbst neue
Getränkekreationen zusammenzumixen. Himbeer-Coke? Na klar, drücke einmal hier
und einmal da. Die Umsätze erhöhten sich im Testlauf im zweistelligen Bereich.
Der Clou: Kamen hat diese Zapfanlagen drahtlos mit der Zentrale von Coca Cola
vernetzt. So weiß der Konzern nicht nur, wann welche Patrone gewechselt werden
muss, sondern auch, welche Mischung sich am besten verkauft. Beispielsweise wurde
schnell klar, dass koffeinfreie Diet-Coke vor allem am Spätnachmittag ein Renner
ist, obwohl es in der Gesamtstatistik eher weniger stark läuft. Für die
Entwicklung von neuen Produkten ist damit jeder Zapfhahn ein
Marktforschungslabor unter Realbedingungen. Für jeden Marketingprofi der
Traum schlechthin!
Und da die Patronen deutlich leichter sind als die Sirup-Container, hält der
Freestyle darüber hinaus die Logistik-Kosten gering. Bei Coca Cola hat man sich
sicher gefragt, warum man nicht schon sehr viel länger mit Dean L. Kamen zusammen gearbeitet
hat. Es muss wie ein Weckruf gewesen sein: Wer
hätte gedacht, dass man ein bestehendes System derart umkrempeln kann?
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Und jedem, der jetzt denkt „Ja, bei Zapfanlagen scheint das zu gehen
– aber bei meinem Produkt?“ sei gesagt: Wenn selbst ein Branchen-Elefant wie
Coca Cola das fertig bringt, dann können Sie das schon lange!

Backstage: Tata
Nano-Appartments
Gerade wurde in Dubai das höchste Gebäude der Welt eingeweiht: Burj
Chalifa, der Turm des Kalifen. Als wir im vorletzten Jahr an der Baustelle
standen, haben wir uns gefragt: Ist es das, was die Menschen wirklich wollen? Immer noch größer?
Noch höher?
Noch gigantischer?
Oder ist dieses Streben nach Superlativen nicht längst überholt? Der indisch-amerikanische
Ökonom C.K. Prahalad predigt es schon lange: Es bringt nichts, immer weiter nach
oben zu denken, immer mehr Richtung Premium und Luxus. Unternehmen müssen auch
attraktive Produkte für die Kunden aus dem unteren Teil der Einkommenspyramide
entwickeln und zwar mit Blick auf den gesamten Globus. Für all die Menschen in
Afrika, in China, in Indien oder in Brasilien, die zur Arbeit gehen, die Geld
verdienen, aber für die selbst viele günstige Produkte immer noch zu teuer sind.
Prahalad hat dafür das Akronym BOP geprägt: "Bottom of the Pyramid".
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Besonders westliche Player nehmen diese riesige Zielgruppe oft gar
nicht wahr und lassen sich auf deren Märkten die Butter vom Brot nehmen. Zum
Beispiel von Mahindra & Mahindra, einem indischen Unternehmen, das wir bereits
in unserem
Querdenk-Cast aus Delhi vorgestellt haben und das auf qualitativ gute
Low-Tech-Produkte zu extrem günstigen Preisen setzt. Oder von Tata.
Aufsehen erregte Tata im letzten Jahr mit dem billigsten Auto der Welt: Der Nano,
der im Juli zum ersten Mal ausgeliefert wurde. Er kostet 100.000 Rupien, also
1.700 Euro. Und weil das Angebot auf große Nachfrage stieß, stieg Tata prompt mit der gleichen Idee in den Wohnungsbau
ein.
Am Rand von Mumbai entstehen zur Zeit 1.244 Mini-Wohnungen. Nano-Appartments mit
einer Fläche von nur 20 Quadratmetern, die Tata zum Discount-Preis von 5.600
Euro verkauft. Um diesen Preis möglich zu machen, hat sich Tata von vielen Standards heutigen Wohnungsbaus verabschiedet, darunter dem vierten
Stock. Ab dem dritten wird die Statik nämlich kompliziert. Die Mauern sind aus
gegossenen Betonklötzen, nicht aus Stein, und Aufzüge gibt es natürlich auch
keine. Alles ist technisch sehr schlicht – und kann so auch von ungelernten
Arbeitern sehr
schnell zusammengebaut werden.
Tata beweist damit klugen Geschäftssinn: Allein in Indien gibt es aufgrund der
Einkommensstruktur der Bevölkerung einen Markt für das Nano-House von beinahe
200 Millionen Kunden. Tippen Sie mal in den Taschenrechner: 200 Mio. mal 5.600
Euro... Und dann wären da noch China, Brasilien, Indonesien...
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Dass die Strategie, die Tata so erfolgreich macht, auch für andere
Firmen funktionieren kann, wollen VW und Suzuki unter Beweis stellen:
Beide planen ein Konkurrenzprodukt zum Nano. Bis westliche
Wohnungsbauunternehmen beginnen, die Märkte am "Bottom of the Pyramid" zu
erschließen, wird wohl noch Zeit vergehen...
Manchmal genügt es, in die Hocke zu gehen, um die Welt aus einer anderen
Perspektive zu betrachten. Von unten.

Outtake: Staubsauger Tuning
Schon Doris Day – zumindest im Film die glücklichste aller
Hausfrauen – wusste, dass es sich mit einem flotten Liedchen auf den Lippen
besser staubwedelt. Diese Ausprägung der Alltagskultur geriet leider in
Vergessenheit, solange röhrende Staubsauger sowohl dem Staubwedel als auch dem
spontanen musikalischen Ausdruck im trauten Heim den Garaus machten.
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Doch mit jeder Generation wurden die Geräte leiser und vielleicht
ist das der Grund, warum man bei Electrolux auf die Idee kam, ein Modell mit
Dockingstation für den iPod zu entwickeln: „Unsere Sauger sind so leise, dass
Sie selbst die zartesten Chopin-Passagen nicht mehr verpassen“, scheint uns die
Firma zuzwitschern zu wollen. Darauf deutet auch der Name des Geräts:
UltraSilencer.
Und um dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben (kommt besonders
gut bei männlichen Kunden an), verweist Electrolux auf eine Studie, nach der
Menschen, die zu Musik saugen, gründlicher saugen (kommt besonders gut bei
weiblichen Kunden an).
Wir fragen uns nur völlig konsterniert: Wenn ich beim Staubsaugen iPod hören
will, warum soll ich ihn dazu in den Staubsauger stecken
- anstatt ihn so zu verwenden wie sonst auch? Wenn Sie dazu einen weisen Rat
wissen, schreiben Sie uns!

Neu im BLOG von Förster & Kreuz
Gedanken, Ein- und Ansichten, die Mut machen, Spuren zu
hinterlassen und nicht nur Staub aufzuwirbeln, finden Sie auch in unserem Blog. Zum Beispiel:
4,3,2 – dann ist der Sessel frei. Warum sich Chefs zukünftig jeden Tag aufs Neue
beweisen müssen
Dem Joch der Kurzfristdenke entkommen. L’Oréal sagt ‚au revoir’
Unternehmerischen Niedergang identifizieren & behandeln
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